Die
Bahai-Religion ist die jüngste Weltreligion mit etwa
6 Millionen Anhängern in jedem Land der Welt. Gestiftet
wurde der Bahai-Glaube von Baha'u'llah (1817 - 1892)
im 19.Jahrhundert in Persien.
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Bahai Weltzentrum, Haifa, Israel
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1)
Baha'u'llah: Der Stifter der Bahai-Religion
Vor über hundert Jahren hat Baha'u'llah sehr deutlich
die Krise der Menschheit vorausgesehen und gleichzeitig
auch den Weg zur Lösung der Weltprobleme aufgezeigt.
Das neue, von Baha'u'llah angekündigte Zeitalter wird
u.a. folgende positive Merkmale aufweisen:
1) Die Beseitigung aller Formen von Vorurteilen
2) Die Gleichberechtigung von Mann und Frau
3) Anerkennung der grundsätzlichen Einheit der Weltreligionen
4) Die Beseitigung der Extreme von Armut und Reichtum
5) Universale Erziehung und eine Welthilfssprache
6) Die Harmonie zwischen Wissenschaft und Religion
7) Ausgewogenheit zwischen Natur und Technologie
8) Die Errichtung eines Weltgemeinwesens, in welchem
alle Völker vereint sind und die Autonomie der Mitgliedsstaaten
sowie die persönliche Freiheit und individuelle Initiative
gewährleistet werden.
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Bahai-Konferenz in Frankfurt am Main,
Februar 2009, mit mehr als 4.000 Bahai
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2)
Wer ist Baha'u'llah?
Baha'u'llah (arabisch, "Herrlichkeit Gottes") wurde
am 12. November 1817 in Teheran, Persien, geboren.
Er wandte sich schon als junger Mann von einem wohlhabenden
Leben ab, das er — sein Vater war Minister am
Hof des Schah — hätte führen können. Er opferte
Freiheit und Besitz und widmete sein Leben der Verbreitung
von Lehren, Grundsätzen und Gesetzen, die der geistigen
Erneuerung der Menschheit dienen sollen. Seine Sendung
stellt nach Bahai-Überzeugung die Erfüllung des Wirkens
von Buddha, Christus, Mohammed und Stiftern der anderen
Weltreligionen dar. |
Bahai
Haus der Andacht Neu-Delhi, Indien |
3)
Woran glauben die Bahai?
Einheit der Religionen — Einheit der Menschheit
Alle Religionen entstammen einem göttlichen Ursprung.
Jeder Offenbarer wurde von Gott mit einer bestimmten
Sendung betraut. Jeder von ihnen — Moses, Krishna,
Buddha, Zoroaster, Christus, Mohammed und Baha'u'llah
— brachte der Menschheit die Lehre, die jeweils
ihren Bedürfnissen und ihrer Fassungskraft entsprachen.
Für Bahai ist diese fortschreitende Gottesoffenbarung
ein nie endender Vorgang. Alle Religionen sind Stufen
eines göttlichen Planes. Die Sendung Baha'u'llah ist
die Einheit der Menschheit bei Erhaltung der kulturellen
Vielfalt.
Die Ablehnung von Vorurteilen
Vorurteile gegenüber anderen Ethnien, Religionen,
Klassen und Nationalitäten verzögern die Entwicklung
der Einheit. Eine durch das Recht aller Länder anerkannte
Gleichwertigkeit der Menschen ist notwendig.
Gleichwertigkeit von Mann und Frau
Die Ablehnung der Gleichwertigkeit der Geschlechter
stellt eine Ungerechtigkeit gegen die Hälfte der Weltbevölkerung
dar und fördert störende Verhaltensweisen und Gewohnheiten,
die aus dem Familienkreis zum Arbeitsplatz, ins gesellschaflicher
Leben und schliesslich bis in die internationalen
Beziehungen weiter getragen werden. Mädchen müssen
eine gleichwertige Ausbildung erhalten.
Harmonie zwischen Religion und Wissenchaft
Religion und Wissenschaft — die beiden mächtigsten
Kräfte im menschlichen Leben — werden als zwei
in Einklang stehende Aspekte der Wirklichkeit gesehen.
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4)
Was tun Bahai zur Erreichung ihrer Grundsätze?
Zusammenarbeit mit der UNO
Die internationale Bahai-Gemeinde ist Mitglied mit
beratendem Status im Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC)
und dem Kinderhilfswerk (UNICEF) der UNO. In diesem
Gremium arbeiten Bahai hauptsächlich an Fragen der
Menschenrechte, der sozialen Entwicklung, dem Status
der Frau, der Umwelt, der Ernährung, der Wissenschaft
und Technik, der Drogenbekämpfung, der Jugend, der
Familie sowie der Abrüstung und der Friedenssicherung
mit. Die internationale Bahai-Gemeinde arbeitet ferner
eng mit internationalen Organisationen zusammen: So
ist sie u.a. Mitglied des "World Wide Fund for Natures-Network
on Conservation and Religion".
Soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprojekte
Bahai-Gemeinden auf der ganzen Welt arbeiten an sozialen
und wirtschaftlichen Entwicklungsprojekten. Die Betonung
der Notwendigkeit universaler Erziehung in den Bahai-Lehren
hat zur Errichtung von Schulen in Afrika, Asien und
Amerika geführt. Die Bahai selbst betreiben zahlreiche
Grund- und weiterführende Schulen. Zu den sozialen
Entwicklungsprojekten gehören auch Krankenhäuser,
Ausbildungsprogramme für Frauen, genossenschaftlich
organisierte Landwirtschaftsbetriebe und Fischereiprojekte.
Zudem sind weltweit sieben Radiostationen mit Erziehungsprogrammen
in Betrieb.
Link: Bahai
International Community
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5)
Wie wird man in den Glauben aufgenommen?
Als Vorraussetzung für die Anerkennung als Bahai-Gläubiger
gilt: die Anerkennung der Stufe des Vorläufers (des
Bab), des Stifters (Baha'u'llah) und des bevollmächtigten
Auslegers des Bahai-Glaubens (Abdu’l-Baha) sowie
Verbundenheit mit dem Geiste und der Form der Bahai-Verwaltung.
Eine spezielle Zeremonie oder ein Ritual kennt die
Bahai-Religion nicht. Bahai-Kinder werden sowohl über
den eigenen Glauben als auch über die anderen Religionen
unterrichtet. Mit 15 Jahren können sie sich selbständig
für eine Religion entscheiden. |
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6)
Was bedeutet der Tod für Bahai?
Die Seele des Menschen ist eine geistige Wirklichkeit
und bleibt auch nach dem körperlichen Tode bestehen.
"Das Jenseits ist so verschieden vom Diesseits wie
diese Welt von der des Kindes, das noch im Mutterleib
ist." (Baha'u'llah).
"Was die Seele des Menschen nach dem Tod betrifft,
so bewahrt sie den Grad der Reinheit, zu dem sie sich
während des Lebens im physischen Körper entfaltet
hat, und nach ihrer Befreiung vom Körper bleibt sie
vom Meer der Gnade Gottes überflutet" (Abdu’l-Baha).
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Bahai
Haus der Andacht
in Kampala, Uganda |
7)
Gesetzliche Anerkennung der Bahai-Religion
Ihre hohen moralischen Grundsätze, ihr Wirken für
Versöhnung und den Abbau von Vorurteilen sowie ihre
positive gemeinschaftsbildende Kraft haben den Bahai-Gemeinden
internationales Ansehen gebracht. Für ihre Bemühungen
um den Weltfrieden wurde die Bahai-Weltgemeinde mit
dem Peace Messenger-Preis der Vereinten Nationen ausgezeichnet.
Der Bahai-Glaube ist in zahlreichen Ländern gesetzlich
anerkannt. Ist Bahai eine Sekte?. |

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8)
Wie ist der Glaube organisiert?
Die Bahai-Religion kennt kein Priestertum. Der Glaube
stützt sich auf ein System örtlicher, nationaler und
internationaler Verwaltungsgremien, das von Baha'u'llah
begründet, von Abdu’l-Baha ausgearbeitet und
von Shoghi Effendi eingesetzt wurde.
Die
Angelegenheiten einer örtlichen Bahai-Gemeinde werden
von einem aus neun Mitgliedern bestehenden jährlich
gewählten Lokalen Geistigen Rat verwaltet. Auf Landesebene
wird jedes Jahr von Delegierten ein aus neun Mitgliedern
bestehendes Gremium, der Nationale Geistige Rat, gewählt.
Die Wahl des internationalen Gremiums, das Universale
Haus der Gerechtigkeit, erfolgt alle fünf Jahre an
seinem Sitz in Haifa anlässlich einer Tagung aller
Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte. Alle Bahai
Wahlen sind geheime Wahlen ohne Kandidaturen und Wahlpropaganda.
Bei
der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten handeln
die Bahai-Institutionen nach dem Prinzip der Beratung.
Sämtliche Themen werden im offenen Gespräch und mit
dem Wunsch behandelt, die Fakten zu ermitteln und
zu einer Entscheidung zu gelangen, die auf geistigen
Grundsätzen basiert und von jeglichem persönlichen
Interesse frei ist.
In
den Häusern der Andacht werden Texte aus den Schriften
aller göttlich offenbarten Religionen gelesen. Derzeit
gibt es Häuser der Andacht in Wilmette (USA), Hofheim
(Deutschland), Kampala (Uganda), Sydney (Australien),
Panama City (Panama), Neu Delhi (Indien) und Apia
(West-Samoa).
Die
Bahai-Aktivitäten werden durch freiwillige und anonyme
Spenden (nur dern Rechner ist der Name des Spenders
bekannt) ausschliesslich von Bahai getragen. Finanzielle
Beiträge von Nicht-Bahai dürfen nicht angenommen werden.
Es bleibt dem Gewissen des einzelnen Gläubigen überlassen,
ob und wieviel er spenden möchte. Die Eigenverantwortung
des Einzelnen sowie die Unabhängigkeit des Bahai-Glaubens
sollen so gewährleistet werden. |
Universales
Haus der Gerechtigkeit
Bahai-Weltzentrum, Israel |
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